Christi Tränen am Grabe des Lazarus

10. Predigt, 12. April 1835
„Jesus sprach: Wo habt ihr ihn hingelegt? Sie sprachen zu ihm: Herr, komm und sieh! Jesus weinte. Da sprachen die Juden: Siehe, wie er ihn lieb hatte!“ (Joh 11, 34—36)
Wenn man zum erstenmal diese Worte liest, erhebt sich ganz natürlich in unserem Geist die Frage: Warum weinte unser Herr am Grabe des Lazarus? Er wußte doch, daß Er die Macht hatte, ihn zu erwecken, warum spielte Er die Rolle jener, die um die Toten trauern? Beim Versuch, eine Antwort auf diese Frage zu geben, sollten wir immer bedenken, daß die Gedanken im Geist unseres Heilandes unsere Fassungskraft weit übersteigen.
Gott sieht dich persönlich, wer immer du bist. Er „ruft dich bei deinem Namen“ (Is 43,1). Er sieht dich und versteht dich, weil Er dich geschaffen hat. Er kennt, was in dir ist, alle deine eigenen besonderen Gefühle und Gedanken, deine Anlagen und Neigungen, deine Stärke und deine Schwäche. Er erblickt dich am Tag deiner Freude und am Tag deiner Trauer.
