Glaube ohne Beweis
21. Mai 1837 (Dreifaltigkeitssonntag)
»Wenn ihr nicht Zeichen und Wunder sehet, so glaubet ihr nicht» (Joh 4, 48).
Wir feiern heute das letzte große Fest im Ablauf des Kirchenjahres, das im Advent begann: Das Fest der allzeit gepriesenen Dreifaltigkeit, des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes, deren Erbarmen in uns „Leben und Unsterblichkeit“ geplant, herbeigeführt und bewirkt hat. Der heutige Festtag trägt an sich die Besonderheit, daß er die Feier eines Geheimnisses ist.


Christus ist uns in der christlichen Kirche so nahe gekommen (wenn ich mich so ausdrücken darf), daß wir nicht in der Lage sind, Ihn anzublicken oder zu erkennen. Er tritt zu uns herein, Er beansprucht Sein erkauftes Erbe und ergreift Besitz von ihm; Er bietet Sich uns nicht dar, sondern nimmt uns in Sich auf. Er macht uns zu Seinen Gliedern.
O mein Gott, wem wäre aus natürlicher Einsicht der Gedanke gekommen, eine deiner Vollkommenheiten bestehe darin, dich selbst zu und deine Absichten durch eigene Demütigung und eigenes Leiden zur Ausführung zu bringen? Du hattest von Ewigkeit in unaussprechlicher Seligkeit gelebt. Mein Gott,
Christus Selbst ist zwar das Fundament, aber ein zerknirschtes, demütiges und ein sich selbst verleugnendes Herz ist (sozusagen) der Grund und Boden, auf den das Fundament gelegt werden muß; und es heißt nur auf Sand bauen, wenn man seinen Glauben an Christus bekennt, hingegen nicht zugesteht, daß wir ohne Ihn nichts tun können.