Newman Rundbrief Juni 2021

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Rom im Leben des heiligen John Henry Newman: Ein Newman Walk

Rom, Juni 2021

Liebe Newman Freunde!

Rom spielte im Leben des heiligen John Henry Newman eine wichtige Rolle. Viermal reiste er in die Ewige Stadt, das geographische Zentrum der katholischen Kirche.

Beim ersten Besuch im Frühjahr 1833 sah der 32jährige Newman Rom mit gemischten Gefühlen. Einerseits bewunderte er die Schönheit der Stadt und wusste, dass England den Glauben durch Missionare aus dieser Stadt erhalten hatte. Andererseits war er mit vielen Zeitgenossen der festen Überzeugung, dass sie der Sitz des Antichristen sei.

Ende Oktober 1846 kam Newman, inzwischen in die katholische Kirche aufgenommen, wiederum nach Rom, um sich zusammen mit seinem Freund Ambrose St. John auf die Priesterweihe vorzubereiten und seine Berufung in der Kirche zu finden. Er wohnte im Kolleg der Propaganda Fide, führte Gespräche mit vielen Menschen, vor allem mit dem damals bekanntesten Theologen des Collegio Romano, P. Giovanni Perrone SJ, und wurde am 30. Mai 1847 zum Priester geweiht. Von Juli bis Dezember 1847 machte er, zusammen mit einigen Gefährten, in Santa Croce in Gerusalemme das Noviziat in der Kongregation des Oratoriums des heiligen Philip Neri.

Der Grund für die dritte Reise in die Ewige Stadt zu Beginn des Jahres 1856 waren Fragen im Zusammenhang mit dem Oratorium. Newman wollte die aufgetretenen Spannungen im Verständnis der eigenen Berufung, welche die Oratorien in Birmingham und London einander entfremdet hatten, einer Klärung zuführen und zu einer größeren Einheit beitragen.

Das letzte Mal reiste er im Frühjahr 1879 nach Rom. Der neu gewählte Papst Leo XIII. hatte nämlich entschieden, ihm die Kardinalswürde zu verleihen und so die katholische Kirche in England zu ehren. Anlässlich der Überreichung der Bulle mit der Ernennung zum Kardinal hielt er am 12. Mai im Palazzo Maffei Marescotti die berühmte Biglietto-Speech. Am 15. Mai wurde er im Rahmen eines öffentlichen Konsistoriums von Leo XIII. zum Kardinal kreiert.

Wie Sie alle wissen, war das Reisen in den letzten Monaten aufgrund der Corona-Krise nur sehr begrenzt möglich. Deshalb kamen fast keine Pilger und Touristen nach Rom. Doch langsam scheint sich die Situation zu entspannen. Wir ermutigen Sie weiterhin zum vertrauensvollen Gebet, dass die Menschheit bald von dieser Pandemie befreit werde.

Mit diesem Rundbrief möchten wir Sie auch zu einer Reise nach Rom und einem Newman Walk durch die Ewige Stadt einladen. In unserer römischen Hausgemeinschaft wurde eine Route ausfindig gemacht, welche die wichtigsten Newman-Stätten in Rom miteinander verbindet. Gemeinsam haben wir ein Büchlein erstellt, das wir Ihnen als kleine Gabe zukommen lassen und zur Lektüre empfehlen.

Dieses Büchlein enthält einige kurze Informationen über neun Newman-Stätten in Rom sowie eine Reihe von Zitaten aus der Feder Newmans selbst. Wir haben bei jeder Station einen geistlichen Impuls, ein Gebet und einen Liedvorschlag angefügt, so dass der Spaziergang auf den Spuren Newmans auch zu einer echten Wallfahrt werden kann.

In der Hoffnung, viele von Ihnen in Rom zu treffen und vielleicht sogar beim Newman Walk begleiten zu können, senden wir Ihnen herzliche Grüße aus der Ewigen Stadt und empfehlen Ihre persönlichen Sorgen, die Nöte der Welt und die Anliegen der ganzen Kirche der Fürsprache des heiligen John Henry Newman.

 

P. Hermann Geißler FSO               Sr. Christiane Fritsch FSO

 

Bei seinem ersten Rombesuch ist Newman vom Charme der zwei Springbrunnen auf dem Petersplatz fasziniert.
Er vergleicht sie mit zwei vornehmen Damen, die mit feinsten Gewändern bekleidet sind:

In der Mitte ist der höchste Wasserstrahl, umgeben von einer Menge anderer, und alles ist so eingerichtet,
dass sie im Fallen nicht einen einzigen Schwall ergeben oder überhaupt wie Wasser aussehen,
sondern sich in den allerzartesten und unfassbarsten Sprühnebel verwandeln, der sich rund um die Wasserstrahlen in der Mitte bewegt,
so wie das Gefieder eines Schwans oder, wie ich sage, der Schleier des Gewandes einer vornehmen Dame.
Dieser schlägt gegen einen Vorsprung und dann gegen einen anderen –
so dass sich eine Wirkung daraus ergibt, wie ich sie durch den Vergleich angedeutet habe –
denn beschreiben kann ich diese Wirkung nicht.
Wenn der Wind über die Wasserstrahlen fährt, ist es wie ein Schleier, der sich hin und her bewegt.

(LD III,264)

 

© International Centre of Newman Friends, Rome 2021